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Systemische Praxis als Verabredung mit dem Leben Achtsamkeit, professionelle Präsenz und Mitgefühl

Wir systemischen Berater und Therapeutinnen erleben täglich mit unseren Klienten die zerbrechlichen, gefährdeten, verwundbaren und traumatischen Seiten des Menschseins, aber auch ihre ungeheure Über-Lebensenergie, Vitalität, den Drang des Lebens nach Entfaltung, Freiheit und Glück. In der Begegnung mit ihnen sehen und erfahren wir weit mehr, als wir begreifen und je erklären können. Trotz der Weisheit der Systemischen Theorie versuchen wir immer wieder in den vertrauten dualistischen Kategorien zu denken und mit den gewohnten professionellen, juristischen und wissenschaftlichen Landkarten zu navigieren, um handlungsfähig zu bleiben: Individuum - System, Körper - Geist, Gesundheit – Krankheit, Problem - Lösung, Täter - Opfer. Fast unmerklich gehen dabei der Blick auf das Ganze, die Fülle und die Wunder des Lebens verloren.

Das von Buddha vor 2400 Jahren gelehrte Prinzip der Achtsamkeit - ein spiritueller Herzensweg oder in unserer nüchternen Sprache eine besondere Qualität unseres Geistes - erfährt zurzeit in der westlichen Welt eine Hochkonjunktur. Aber kann  man die jahrhunderte alte Tradition der Mönche und Nonnen, der Lehrer und Zen-Meister mit unserer abendländisch-christlich-jüdischen Denk- und alltäglichen Lebensweise überhaupt so einfach  verbinden? Was ist eigentlich mit Mitgefühl gemeint? Welche Wirkungen hat Achtsamkeit? Können wir einen solchen „Kulturwandel“ in unserer praktischen Arbeit mit Klientinnen und Klienten überhaupt vollziehen? Wie können wir mitfühlend für uns selbst sorgen und achtsam unseren beruflichen Alltag praktizieren? Was bedeutet das alles für unsere systemische Grundhaltung? Gibt es auch Möglichkeiten, Achtsamkeit, Mitgefühl und Weisheit in unsere Arbeit in einem Team oder gar in unsere Institutionen, die so ganz anders ticken, einfließen zu lassen?

„Achtsamkeit ist unsere Verabredung mit dem Leben“, sagt der vietnamesische Zen-Meister Thich Nhat Hanh. In diesem Workshop wollen wir klassische  Achtsamkeitsübungen miteinander praktizieren und die Bedeutung von Achtsamkeit für Haltung, Theorie, sowie systemische Praxis erkunden. Methodisch werden wir uns von beiden Kontexten inspirieren lassen. Diskussionen und Erläuterungen werden mit kontemplativen, meditativen und systemischen Übungen vertieft.

Kursleitung: Prof. Dr. Ulrich Pfeifer-Schaupp, Systemischer Therapeut und Supervisor, Psychotherapeut (HPG), Leiter des Freiburger Instituts für systemische Therapie und Beratung

Kursleitung: Dr. Helmut Wetzel, Dipl.-Psych., Kinder- und Jugendlichepsychotherapeut, Systemischer Familientherapeut, Supervisor, Dan Bar On – International Dialogue Center, Berlin; FFAK

Wir beide praktizieren Achtsamkeitsmeditation seit über 10 Jahren in der Tradition des Meisters Trung Quang Nhat Hanh of the 42nd Generation of the Lam Te Dhyana School

Literatur:

Martin, K. & Wetzel, H. (2008). Praxis der Spiritualität: „Tag und Nacht, was immer euch begegnet, es ist euer Leben“
In: Hüther, G., Roth, W., von Brück, M. (Hrsg): Damit das Denken Sinn bekommt. Spiritualität, Vernunft und Selbsterkenntnis. Freiburg: Herder

Pfeifer-Schaupp, U. (2010). Achtsamkeit in der Kunst des (nicht) Helfens. Freiburg i.Br., Arbor.