Aufeinander zu gehen: jenseits der Täter- und Opferpersepktive

Filmabend und Diskussion

 
Wohl selten kann so unmittelbar erfahren werden, zu welchen Friedenswegen Menschen fähig sind, wie durch die Arbeit von Dan Bar On. Dieser israelische Psychologe hatte Anfang der 1990er Jahre Kinder von prominenten Nazi-Tätern und Kinder von Überlebenden des Holocaust eingeladen, miteinander über ihre Erfahrungen zu sprechen. Ein Quantensprung, denn wohl die meisten der Teilnehmer hätten sich zuvor niemals vorstellen können, in Kontakt mit Menschen der »anderen Seite« – ob Täter oder Opfer – zu treten. Aber das war erst der Anfang, denn im gemeinsamen Nachdenken, welche Bedeutung die erlittenen Verletzungen in der eigenen Lebensgeschichte spielen, konnte über das Unaussprechliche und Undiskutierbare in den Familiengeschichten gesprochen werden. Dan Bar Ons Leitlinie: »Reflektieren und vertrauen« ist Grundbedingung von Dialog und Versöhnung und des wechselseitigen Verstehens.

 
Nur scheinbar liegen diese Ereignisse weit zurück, denn die Verwundungen, die das Dritte Reich hinterlassen hat, ziehen sich noch heute durch viele Familien. Dabei gibt es Möglichkeit zu Austausch, Verständigung und Heilung. Der Abend beginnt mit Ausschnitten aus dem Dokumentarfilm: »Kinder des dritten Reiches«. Der Film fasst den oben genannten mehrtägigen Austausch zusammen und wird als Anregung für Dialog und Diskussion dienen.